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Der Hindenburgdamm als Geschäft
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Die Landesregierung Schleswig-Holstein hat die Eisenbahnstrecke zwischen Hamburg und Westerland europaweit ausgeschrieben. Diese Strecke gehört eindeutig zu den lukrativsten Bahnverbindungen in ganz Deutschland. Auf dieser Strecke werden jährlich 5,5 Millionen Fahrgäste verzeichnet. Der interessanteste Teil der Strecke ist aber die Verbindung zwischen Niebüll und Westerland. Auf diesem Teilstück transportiert die Deutsche Bahn AG jährlich eine Million Fahrzeuge - Preis für die Hin- und Rückfahrt mit einem Pkw 77,00 Euro.
Im Rahmen der Ausschreibung sind jetzt drei Mitbewerber der DB AG ebenfalls an dieser Bahnstrecke interessiert: Die AKN Eisenbahn AG aus Kaltenkirchen, die Hamburger Hochbahn und Connex-Gruppe aus Frankfurt. Die Connex-Gruppe möchte mit fünf Zugpaaren in beiden Richtungen täglich in den Wettbewerb zum DB AutoZug SyltShuttle treten. Bisher wurde von der Deutschen Bahn AG lediglich eine solche Verbindung an den Wochenenden angeboten. Hierin sieht der verkehrspolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion ein Lehrbeispiel wie Monopole höhere Kundennutzung und Leistungsverbesserungen verhindern.
Die DB AG sieht die Angelegenheit jedoch etwas anders. Es besteht ein diskriminierungsfreier Zutritt zur Schiene, auch für die Strecke Hamburg - Westerland, allerdings seien dabei die Spielregeln zu beachten. Danach genießen regelmäßige Verkehre Vorrang vor unregelmäßigen Verkehren, genauso wie auch im Luftverkehr üblich ist.
In einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" wurde jetzt bekannt, dass die Bundesregierung bestrebt sei die Deutsche Bahn AG vor privater Konkurrenz zu schützen. Nach diesem Bericht sollen die Bundesländer die Aufträge ohne Ausschreibung an die DB AG vergeben können. Das Verkehrsministerium bezeichnete den Artikel als "tendenziös", vielmehr sollte die rechtliche Situation in der Vergabepraxis verdeutlicht werden, wonach eine EU-weite Ausschreibung nicht erforderlich ist. Es soll auch die Vergabe eines landesweiten Auftrages in einem Rahmenvertrag möglich sein. Diese Rechtsunsicherheit soll ursächlich für einen Investitionsstop bei der Deutschen Bahn AG sein. Anzumerken bleibt nur, dass solche Rahmenverträge auf Grund der Größenordnung nur von der Deutschen Bahn AG erbracht werden können. Die entsprechende Verordnung soll am 11. September dem Kabinett vorgelegt werden. Hier scheint aber schon politischer Streit vorprogrammiert - die Grünen fordern eine Diskussion im Parlament und sehen den Wettbewerb zu Gunsten des Fahrgastes und zur Qualitätssteigerung.
Die Entscheidung über den Zuschlag für die Strecke Hamburg - Westerland wird die Landesregierung in Kiel allerdings erst im Jahr 2003 fällen. Unabhängig vom Ausgang dieser Entscheidung bleibt zu hoffen, dass zumindest in absehbarer Zeit der Preis für Wohnwagengespanne auf dem Autozug zwischen Niebüll und Westerland neu kalkuliert werden. Der Preis für die Hin- und Rückfahrt für einen Pkw mit Wohnanhänger (angenommene Gesamtlänge 10 m) ist von 207,07 Euro ( 405,00 DM ) im Jahr 2001 auf 384,00 Euro im Jahr 2002 gestiegen - eine Steigerung von mehr als 85%. Solche Preisentwicklungen sind an sich schon zweifelhaft und sollten im Rahmen von Ausschreibungen dann wohl auch bald der Vergangenheit angehören.
Ralf Langmaack 04.09.2002
© 4.09.2002 SyltInfo |