|
Seebrücke für Westerland?
|
|
|
|
|
|
|
|
Geplant ist Europas größte Seebrücke, einen Kilometer lang, als Verlängerung der Friedrichstraße in Richtung Westen - in die Nordsee. Von Stahlpfeilern getragen auf einer Höhe von acht bis neun Meter über Normalnull sind auf der Brücke ein doppelstockiges Einkaufszentrum, natürlich überdacht, ein Fischrestaurant mit 200 Plätzen und eine Veranstaltungshalle vorgesehen. Aussichtsplattformen sollen den Gästen einen Blick über das Schutzgebiet der Schweinswale und auf Kreuzfahrtschiffe ermöglichen. Letztere sollen direkt an der Seebrücke anlegen können. Eine Gruppe von Investoren um den Sylter Reeder Sven Paulsen hat ihre Pläne bereits der Stadtverwaltung präsentiert. Sven Paulsen ist Busunternehmer auf Sylt und Inhaber der Reederei Adler-Schiffe. Zur Zeit soll die Stadtvertretung über die Pläne beraten. Bürgermeisterin Petra Reiber ist von den Plänen begeistert. Für sie wäre "die Brücke etwas ganz Besonderes für die Westküste. Unsere Wirtschaft würde Aufschwung nehmen", so ihre Hoffnungen. Bis zu 100 000 Kreuzfahrtpassagiere sollen nach den Plänen der Investoren in Westerland von Bord gehen, um auf Sylt einzukaufen oder die Insel zu erkunden. Sven Paulsen ist sich sicher: "Für Sylt wäre die Seebrücke der Einstieg in den internationalen Tourismus." Die Kosten für die Seebrücke werden auf 23 bis 30 Millionen Euro geschätzt. Entsprechendes Eigenkapital durch die Investoren soll vorhanden sein und Banken sollen bereits Interesse an der Finanzierung gezeigt haben. Auch Jürgen Gosch gehört zu den Geldgebern - er will das Restaurant auf der Brücke betreiben. Weitere Investoren sind die Immobilien-Unternehmer Friedrich Münzel und Claus Trescher aus München. Münzel und Trescher haben bereits 1995 die Seebrücke in Heringsdorf auf Usedom initiiert. Der Entwurf für die Seebrücke vor Westerland stammt vom Architekturbüro Schuster-Stüvecke aus Hamburg. Dieses Büro hat auch die, mit 508 Meter Länge zur Zeit, größte Seebrücke Europas in Heringsdorf entworfen. Sollte sich die Stadtvertretung positiv zum Bau der Seebrücke äußern, müssen das Land Schleswig-Holstein, die Nachbargemeinden auf Sylt, das Wasser- und Schifffahrtsamt und das Nationalparkamt zustimmen. Aber gerade von Seiten des Nationalparkamtes bestehen Bedenken, da die Brücke in das Walschutzgebiet hineingebaut wird und dort für erhöhten Schiffsverkehr sorgen würde. Aber auch der bisher unbebaute Strand würde sich deutlich verändern. Vorgesehen ist, nach Freigabe durch alle zuständigen Instanzen, eine weitere Planungszeit von einem Jahr und eine Bauzeit von 18 Monaten. Somit könnte 2008 die Seebrücke bereits fertiggestellt sein. Die Aussicht 100 000 zusätzliche Gäste auf die Insel zu holen ist wirtschaftlich interessant. Aber ist das wirklich das, was die Insel Sylt benötigt? Welche Auswirkungen hat die Seebrücke, die immerhin deutlich länger als die Friedrichstraße ist, auf die dort ansässige Wirtschaft? Schon jetzt herrscht hier eine hohe Fluktuation der Betriebe. Und was würden die Gäste von einem solchen Bauwerk halten, dass den Horizont vor Westerland einschneidend verändert?
Ralf Langmaack 02.07.2005
|